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Romanischer Karner aus Sandstein

Das wichtigeste Bauwerk im Zentrum Hartbergs

Wunderschöne Fresken im Karner HartbergDer historische Karner aus dem 12. Jhd.

Der Karner (karn = trauern, klagen in mittelhochdeutsch) oder das Beinhaus aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ist ein zweigeschoßiger Doppelrundbau. Die genaue Entstehungszeit ist nicht bekannt. Nach mündlicher Überlieferung soll sich die Jahreszahl 1167 über dem Eingang befunden haben. Pfarrer Ulrich I. (1163-1202), der Erbauer der romanischen Pfarrkirche, gilt auch als Erbauer des Karners. Für den Bau wurden heimische Kalksteinquader aus Schildbach verwendet.
Über die Treppe gelangt man in die Michaelskapelle. Das darunter liegende Beinhaus ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Unter der Dachtraufe der beiden Kegeldächer befindet sich ein umlaufendes Zahnschnitt- und Rundbogenfries. Das Rundbogenfries in der Mitte markiert die Trennung zwischen Obergeschoß und Untergeschoß. Die Kapitelle über dem Eingang mit jeweils neun Fratzen sollen zur „Abwehr der bösen Geister“ gedient haben.

Das romanische Portal hat wulstige Rundbögen und kleine Säulen mit Knospenkapitellen die in die spätromanische Zeit von 1180 bis 1250 weisen. Die kleine niedere Tür auf der linken Seite neben dem Eingang diente als Abwurföffnung für die Gebeinen aus dem damals um die Pfarrkirche liegenden Friedhof. Während des 11./12. Jahrhunderts ist man der Überzeugung, dass die Gebeine aufbewahrt werden sollen um sie vor bösen Geistern zu schützen und die Auferstehung zu sichern.

Es gibt Anzeichen, dass 1173 die Errichtung eines Landesbistums mit Hartberg als Standort und Pfarrer Ulrich I. als Bischof vorhergesehen war. Weswegen der Pfarrer bald nach der Fertigstellung den Karner durch Ausgestaltung mit Fresken zu einer Tauf- und Firmungskapelle umgewandelt hat.
Gleich daneben wurde als Ersatz ein zweiter Karner errichtet, die sogenannte
„Totenkapelle“, welche aber wegen der Erweiterung des Schulhauses (heutiges Mesnerhaus) abgetragen wurde. Auf dem Pestaltarbild (1713) an der Wand von der Wallfahrtskirche Maria Lebing ist der viel niedrigere zweite Karner dargestellt.

Im Barock, wo alle Räume möglichst hell sein sollten, wurden die Wände mit Kalk weiß bemalt und in der Apsis wurden zwei seitliche Fenster ausgebrochen, wobei die dortigen Fresken zerstört wurden.
Im Jahr 1715 wütete in Hartberg ein großer Stadtbrand, welcher auch das Dach des Karners, die Kuppelfresken sowie das Fresko am Aufgang zum Dach zerstörte und die Wandfresken zum Teil beschädigte. 1889 begann die Restaurierung des gesamten Karners, wobei die zentimeterdicke Kalkschicht abgeklopft wurde.

Ab 1893 wurden die Fresken durch den Wiener Restaurator Theophil Melicher aufgefrischt, konturiert und Fehlstellen ergänzt. Zu den Neuschaffungen Melichers zählen die Evangelisten und Engel in der Kuppel, der Höllenrachen am Stiegenaufgang zum Dach sowie die Mannasammler in der Apsis.

Im Hauptraum wird im mittleren Bereich Christus als Weltenherrscher mit den zwölf Aposteln dargestellt. Im unteren Bereich reiten Könige mit Zeptern und Erdscheiben auf Tieren, welche die sieben Todsünden (vom Apsiseingang nach rechts: Hoffahrt - Zorn - Trägheit - Geiz - Neid - Unmäßigkeit - Unkeuschheit) darstellen, obwohl manche Experten meinen, dass es sich um die vier Weltreiche (das babylonische, griechisch-makedonische, ägyptische und das Römische Reich) handle.

Obwohl die Fresken in der Apsis mehrheitlich gut erhalten waren, ergeben sich Deutungsschwierigkeiten durch die Fensterausbrüche, die um 1890 wieder romanisiert wurden.
Die Hauptdarstellung ist der Stammbaum Jesse mit der Madonna und dem segnenden Jesusknaben.
Die Tauben über dem Torbogen stehen als Sinnbild für die sieben Gaben des Hl. Geistes (Weisheit – Verstand – Rat – Stärke – Gottesfurcht – Frömmigkeit – Wissenschaft).
Das bunte Glasfenster stellt den Hl. Michael mit der Seelenwaage und dem von ihm besiegten Satan dar.

Im Jahr 2015 wurde die Zugangsstiege erneuert und der Karner außen renoviert.