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"Weihfeuertrager" unterwegs im Hartbergerland

Am Karsamstag frühmorgens kommen die Kinder des Ortes zusammen, um Feuer zu machen und an der Feuerweihe teilzunehmen. Das Weihfeuer wird in den frühen Morgenstunden an die Weihfeuerträger in Blechdosen ausgegeben, wobei ein ständiges Schwingen der Dosen das Glimmen des gesegneten Feuers aufrechterhält. Die Weihfeuerträger ziehen sodann von Haus zu Haus und geben das Feuer nach dem Aufsagen eines Spruches und gegen eine kleine Belohnung wie Eier, Süßigkeiten und ein kleines Entgelt an die aufgesuchten Haushalte weiter, damit diese die Öfen mit den glimmenden und gesegneten Holzstücken entzünden können.

Aber woher kommt dieses Brauchtum überhaupt?

Ein früher Beleg findet sich bei Peter Roseggers Ostern in Obersteier (1870) – danach war es Aufgabe der Stallbuben, von der Kirche das Weihfeuer nach Hause zu bringen:

„Der Todtengräber macht nämlich auf dem Friedhof, der gewöhnlich um die Kirche herum liegt, aus hinfälligen Grabkreuzen und halbverwesten Sargbrettern ein Feuer an, welches der Pfarrer entweder vor oder nach der Auferstehungsfeier weiht. Ist der Gottesdienst zu Ende, so eilt von jedem Hause ein Bub' auf den Friedhof, nimmt ein brennendes oder glühendes Stück Holz vom Weihfeuer in eine Pfanne und läuft damit seinem Hofe zu. Sehr schlimm ist es, wenn ihm unterwegs das Feuer auslischt, dann stirbt im Laufe des Jahres Jemand in seinem Hause. ... Wenn nun der Bube seine Gluthpfanne glücklich nach Hause bringt, so werden die Kohlen zum Herdfeuer geschüttet, und sofort ist es die Sorge der Bäuerin, daß das heilige Feuer im Jahre hindurch nicht mehr ganz auslösche, damit im Hause die Flamme wahrer Frömmigkeit lohe und der Todesengel vorübergehe“ (Rosegger, P., 1870, Ostern in Obersteier).

Erstellt am 26. März 2016